WINTER IN KANADA

von Alina Atzler

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Als wir vor einigen Jahren das erste mal in entspannter Nebensaisonzeit nach Tofino kamen, hatten wir seit langem mal wieder dieses schockverliebte “hier will ich nicht mehr weg Gefühl”. Mussten wir aber. Im vergangenen Herbst hatten wir dann endlich die Möglichkeit wieder zu kommen und dieses Mal auch für länger. Besser noch: Wir hatten uns in einer längeren Auszeit kurz vor Jahresende einen guten Monat für Kanada geblockt. Nicht trotz, sondern eben wegen des erwartbaren Herbst/Winter Mixes. Nun mussten wir nur noch schauen wie wir ganz entspannt möglichst viel Tofino, möglichst viel Rockies und natürlich Vancouver in den plötzlich kurz wirkenden vier Wochen verteilen.

Natürlich mussten wir zunächst nochmal zurück nach Tofino, und obwohl sich einiges verändert hatte und die Einwohner offensichtlich eine anstrengende Touri Hochsaison hinter sich hatten, war dieses wohlige Gefühl schnell wieder da. Es war schon Ende Oktober und wir hatten uns dementsprechend auf feinsten Sturmregen eingestellt wie er in der Gegend üblich ist. Was wir bekamen war eine Woche sonniger Spätsommer und aus dem tollkühnen Wunsch vielleicht mal eine Welle surfen zu können ohne zu erfrieren wurde eine der besten Surfwochen die wir je hatten. Die Mischung aus Wetter und der Entspanntheit der Nebensaison brachte in dem kleinen Dorf die Stimmung hervor wegen der sich in den letzten 20 Jahren so viele Menschen darin verliebt hatten.

Wir kannten Vancouver bereits. Das half uns, die typischen, downtownigen Tourifehler des ersten Besuchs einer nordamerikanischen Großstadt souverän zu vermeiden und uns direkt eine Unterkunft in entspannter und ja, auch etwas hipperer Gegend, zu besorgen. So wurde Mount Pleasant zu unserem kanadischen Stützpunkt und zwischen jedem Teil des Trips verbrachten wir einige Tage mit tollen Menschen und fantastischem Kaffee.

Den Hauptanteil unsere Reise wollten wir aber den Rocky Mountains widmen. Obwohl es uns fast schwer fiel das fast klischeehaft bezaubernd herbstliche Vancouver zu verlassen, freuten wir uns wahnsinnig auf das “richtige” Kanada.

Das Ziel war Banff, gelandet sind wir dann aber erstmal in Revelstoke, wo wir am Stadtrand in einem alten, fast menschenleeren Skiresort zum Sonderpreis übernachteten. Revelstoke entpuppte sich als absoluter Geheimtipp - nicht nur wegen des fantastischen Kaffee bei Dose Coffee;)

Wir mochten Banff von der ersten Minute an. Auch hier genossen wir die offensichtliche Zwischensaison in unserer süßen Hinterhof-Holzhütte, die eigentlich nur aus Bett und Jacuzzi bestand - Super Prioritäten. Mit Zeit und wenig Unternehmungsdruck im Gepäck konnten oder durften wir uns in dem kleinen Städtchen richtig heimisch fühlen. Glück im Alltag kommt mit guten Kaffee, daher liebe Grüße an Whitebark Coffee fürs Plündern unserer Reisekasse. Um die Postkartenidylle zu vollenden, kam nach zwei Tagen der Winter. Also der richtige kanadische Winter mit viel Schnee und knackig trockenen minus 25 Grad. An dieser Stelle ein großes Shout Out an alle Merino Schafe weltweit, ihr habt uns den Arsch gerettet.

Zusammengekürzt konnte so ziemlich alles unsere Erwartungen erfüllen, der Icefield Parkway ist im Winter noch ein Stückchen atemberaubender, Jasper ist die kleine wunderschöne Schwester von Banff und unbedingt einen Besuch wert, Elche sind super Dudes, von dem Wolf werden wir noch unseren Enkeln erzählen und die Kanadier sind einfach ein unglaubliche nettes und hilfsbereites Völkchen zum Gernhaben.


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ALINA ATZLER

Alina kann kein Stück kochen (isst aber sehr gerne), ist extreme Kaffeeliebhaberin und wäre gerne Profisurfer (nur leider ist sie jenseits des Internets weit davon entfernt). Sie wäre mit Sicherheit ein leidenschaftlicher und richtig guter Teilzeit-Guide für Road- oder Wandertrips durch die USA, Island oder Neuseeland und ist süchtig nach Menschen und ihren Geschichten. All diese Liebschaften vereint sie mit der Fotografie und stillt damit nebenbei immer mal wieder ihr Fernweh.

www.alina-atzler.de