Segeln auf den Kanarischen Inseln

von Vanessa Sander

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Segelabenteuer Teneriffa - La Gomera - La Palma 

Als Kind habe ich fast alle kanarische Inseln der Reihe nach einmal kennen gelernt. Jedes Jahr reisten meine Eltern mit mir und meinem Bruder in den Süden, um dort eine Woche All-Inclusive-Urlaub zu verbringen. Je älter ich wurde, desto mehr packte mich die Idee von abenteuerlichen Urlauben fernab von Hotelanlagen und alltäglicher Daueranimation.

Im April fand sich dann wie jedes Jahr eine Gruppe Arbeitskollegen aus der Abteilung für Anästhesie der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Universitätsklinikum Erlangen zusammen, um ein gemeinsames Segelabenteuer zu planen. Da war sie! Die Gelegenheit, meine Idee von einem Abenteuerurlaub Wirklichkeit werden zu lassen. 

Als wir uns morgens am Flughafen in Hannover trafen, stand unsere Segelroute noch gar nicht fest, nur eine grobe Idee davon, was alles möglich war. Auf Teneriffa angekommen, fuhren wir mit dem Taxi zur Marina und trafen dort auch unsere Freunde aus Erlangen. Wir teilten uns auf zwei Boote auf und während unsere Skipper und Co-Skipper die Boote begutachteten und auf Mängel untersuchten, machte sich der Rest der Truppe auf zum nächsten Supermarkt, um Vorräte für die kommende Woche einzukaufen. Das war tatsächlich die erste Herausforderung, denn die Supermärkte, die es in der Umgebung gab, waren alle recht weit entfernt von der Marina und zudem noch ziemlich klein, sodass wir für eine achtköpfige Besatzung unmöglich einen Wocheneinkauf realisieren konnten. So teilten wir uns auf die verschiedenen Supermärkte auf, um unsere Einkaufsliste abzuarbeiten. Zu unserem Glück bot sich ein Inhaber eines kleinen Ladens sogar an, zumindest die großen Mengen an Getränken mit dem Auto zur Marina zu bringen. 

Unseren ersten Abend verbrachten wir in einem Restaurant am Hafen mit einer nicht enden wollenden Diskussion darüber, in welche Richtung wir am nächsten Tag segeln würden. Ein Teil der Gruppe wollte Richtung Fuerteventura aufbrechen, was eine Segeldauer von mindestens 17 Stunden am ersten Tag bedeutet hätte. Den Unerfahrenen unter uns bereitete das etwas Bauchschmerzen. Schließlich war einigen noch gar nicht bewusst, was es bedeutete, einen ganzen Tag lang auf dem Wasser zu sein. Am Ende waren wir uns einig, dass wir den Weg in die andere Richtung einschlagen und La Gomera und La Palma ansteuern sollten. Ein großer Vorteil für mich, denn ausgerechnet diese beiden Inseln durfte ich in meiner Kindheit noch nicht kennen lernen. Und so segelten wir am Sonntagmorgen los Richtung La Gomera und nachdem wir gerade einmal vier Stunden unterwegs waren, wurde ein Mitglied unserer Crew bereits seekrank.

In La Gomera angekommen, verschlug es die ersten unserer Gruppe direkt aufs Land. Boden unter den Füßen zu haben wurde plötzlich zu einem essentiellen Bedürfnis. Zusammen mit meiner seekranken Kollegin bot ich mich an, auf die Suche nach einem geeigneten Lokal für ein gemeinsames Abendessen zu gehen. Wir durchliefen also die kleinen hübschen Gassen von La Gomera und suchten nach einer abendlichen Bleibe.

Am nächsten Tag teilte sich unsere Gruppe das erste Mal auf. Ein Teil von uns plante, unsere Boote auf die andere Seite der Insel zu segeln, um La Palma ein Stückchen näher zu kommen. Der Teil von uns, der eher weniger seefest war, entschied sich, den Tag zu nutzen, um La Gomera zu erkunden. Wir mieteten uns ein Auto und fuhren damit einmal um die Insel.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie mich die landschaftliche Vielfalt von La Gomera verzauberte. Wir fuhren durch die vulkanische Gebirgslandschaft, philosophierten über diese und jene unbekannte Pflanzengattung und waren immer gespannt darauf, was uns hinter der nächsten Kurve erwarten würde. 

Als wir abends am Hafen eintrafen, erwartete uns der Rest der Crew schon auf dem Boot mit einem selbstgekochten Essen und einem Sonnenuntergang, von dem man nur träumen kann. Bei Bier und Wein ließen wir den Abend ausklingen und erzählten uns gegenseitig von den Abenteuern, die wir erlebt haben.

Früh am Morgen ging es dann weiter nach La Palma. Wir hatten ein unglaublich schönes Wetter, der Himmel war strahlend blau, die Sonne schien und der Wellengang meinte es diesmal auch gut mit uns. Ganz gemütlich segelten wir unserem nächsten Ziel entgegen und als wir langsam etwas mehr an Fahrt aufnahmen, fanden auch die ersten Delfine Gefallen daran, uns zu begleiten und neben unserem Boot in verschiedensten Formationen herzuspringen. Unsere Jubelschreie schienen sie noch mehr zu animieren und so boten sie uns eine eindrucksvolle Show, die ich zuvor noch nie gesehen habe. Das war definitiv ein absolutes Highlight für nahezu jeden von uns auf dieser Reise. 

Auch La Palma begrüßte uns mit einer bildschönen Stadt voller ansehnlichen Gassen, Restaurants und freundlichen Menschen. Und weil dieses Fleckchen Erde kaum einer von uns je bereist hat, entschieden wir uns, den kommenden Tag gemeinsam an Land zu verbringen. Ich trommelte ein paar Leute zusammen, die Lust hatten, mit mir zum Pico de la Cruz zu wandern und so mieteten wir uns wieder ein Auto, hielten auf dem Weg zum Startpunkt mal hier und mal dort, um die herrliche Aussicht von dieser Insel zu genießen und machten uns dann bereit, für einen anstrengenden aber atemberaubenden Wandertrip durch eine unglaublich vielseitige Vulkanlandschaft. Leider machte uns irgendwann die Zeit einen Strich durch die Rechnung, sodass wir die doch viel zu unterschätzte Route irgendwann abbrechen mussten, um nicht zu spät zum gemeinsamen Abendessen zu erscheinen.

Die Tage vergingen schneller, als man sie verarbeiten konnte. Es war bereits wieder an der Zeit, den Rückweg anzupeilen. Die erste Route sollte uns direkt in den Norden Teneriffas zurück führen, die zweite am Tag danach zurück zur Marina, von der aus wir gestartet sind. Während wir noch am ersten Tag froh und munter waren und wieder von Delfinen begleitet worden sind, bereitete uns der letzte Trip doch etwas Schwierigkeiten. Der Himmel zog sich zu, er wurde nahezu tiefschwarz, der Wind wurde stärker und zwischen Unwetter und hohem Wellengang, wurde dann auch mir so übel, dass ich nur noch froh war, als wir endlich am Zielhafen eintrafen. Aber trotz flauem Magen und der ein oder anderen Welle, die sich an unserem Boot brach und uns alle durchnässte, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, auch diesen Teil der Reise mit der Kamera zu dokumentieren. 

Ich bin gespannt auf unser nächstes Abenteuer.


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VANESSA SANDER

Vanessa ist Hochzeit- und Paarfotografin aus Hannover. Sie ist ein Kind der 90er, in Hannover geboren, in Hannover aufgewachsen, in Hannover geblieben. Fernweh hat sie trotz ihrer schönen Heimat dennoch nahezu immer. Sie zieht es vor allem in den Norden und in Gegenden, mit einer atemberaubenden Landschaft. Sie liebt es fremde Länder so kennen zu lernen, wie sie sind. Unangepasst, authentisch, ehrlich.

Wenn sie sich gerade mal nicht nach fremden Orten sehnt, verbringt sie viel Zeit mit ihrem Hund Mogli, gerne draußen, bei jeglicher Art von Wetter.

www.vanessasander.com