ROADTRIP DURCH SKANDINAVIEN

von Alessandro Sgro

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Der Gesellschaft entkommen und einfach mal abschalten. Wildlife Fotografie ist etwas magisches, etwas was dich eins mit der Natur werden lässt, etwas was dir Momente voller Glück und toller Begegnungen beschert und dich viel über die Tierwelt lehrt.

Der Bär als Tier hatte von Beginn an etwas magisches, das mich damals als kleiner Junge schon faszinierte. Heute, 20 Jahre später, kam ich zum Entschluss mich endlich nach Skandinavien aufzumachen und mir einen meiner größten Träume zu erfüllen, Bären in freier Natur sehen und fotografieren zu können. Nachdem meine Planungen und die Route abgeschlossen waren, packte ich meine Sachen, bereitete mein Auto vor und machte mich auf zu meinem ersten Etappenziel, Hamburg. Auto? Richtig, ich hatte geplant die nächsten vier Wochen in meinem Auto unterwegs zu sein und dieses als Schlafplatz und zu Hause zu nutzen.

Nachdem ich über Nacht in Hamburg Rast gemacht hatte ging es in Richtung Hirtshals, um die Fähre rüber nach Norwegen, Larvik zu nehmen. Angekommen ging es zu meinem ersten Ziel, dem Hardangervidda Nationalpark. Dort erhoffte ich mir meine ersten Wildlife Begegnungen. Besonders die scheuen Polarfüchse hoffte ich fotografieren zu können. Nach 26 Kilometern wandern durch den strömenden Regen, entschied ich mich zum Auto zurückzukehren. Das einzige was ich ausfindig machte waren Schafe.

Weiter ging es zum Jostedalsbreen, dem größten Festlandgletscher Europas. Bei einer Gletscher Wanderung konnte ich nach Absprache mit dem Guide und den restlichen Wanderern einige erhoffte Drohnen Bilder machen. Früh raus ging es dann noch am folgenden Tag, um an der Gletscherzunge Briksdalsbreen ungestört die Momente genießen zu können. Dort fand ich leider nur ein für mich trauriges Bild. Die Gletscherzunge hatte sich fast hinter den Hügel zurückgezogen, im Vergleich zu vier Jahren zuvor, wo man den Gletscher noch berühren konnte. Bis zum Jahr 2100 wird er wohl 38 Prozent seines Volumens verlieren. Schon jetzt bilden sich am Ende der Gletscherzungen Seen aus Schmelzwasser.Das der Klimawandel kein Kindermärchen ist sollte der letzte hoffentlich auch verstanden haben! Jeder kann einen kleinen Teil dazu beitragen, dass es hier Besserung gibt!

Nach dieser traurigen aber immer noch beeindruckenden Erfahrung erreichte ich mein vorher in Norwegen erklärtes Hauptziel, den Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark. Nachdem ich mir Infos über die letzten 300 dort lebenden Moschusochsen bei einem super freundlichen Ranger holte ging es für mich in den 1.693 Quadratkilometer großen Park. Auch hier hoffte ich Polarfüchse finden zu können. Die ersten Ochsen fand ich nach 20 Kilometern. Diese laufen bis zu 60km/h und sind einfach nur mächtige Artgenossen. Nachdem ich mich sichtbar gezeigt hatte akzeptieren die Tiere mich. Es war ein tolles Gefühl diese wunderschönen Geschöpfe fotografieren zu dürfen. Am Ende des Tages zählte mein Schrittzähler 32 Kilometer. Am darauffolgenden Tag brach ich mit deutlich leichterem Gepäck auf. Insgesamt konnte ich 35 Moschusochsen ausfindig machen, keinen Polarfuchs. Die Nacht verbrachte ich anschließend im Schlafsack unter freiem Himmel, ebenfalls eine tolle Erfahrung. Die Tage im Park endeten mit 60 Kilometern wandern und vielen neuen, wunderschönen Erfahrungen.

Nun war es an der Zeit sich auf nach Finnland zu machen. 1400 Kilometer weiter erreichte ich das finnische Lappland. Die nächsten Tage verbrachte ich hier und fotografierte Elche und Rentiere. Weiter östlich erreichte ich schließlich Kuusamo. An der russischen Grenze hoffte ich mir meinen Bären Traum zu verwirklichen. Also ging es für 16 Stunden in eine Wildlife Hide, einer kleinen Holzhütte aus der man Wildlife fotografieren kann. Was sich hier abspielte habe ich bis heute nicht wirklich realisiert. Mein Traum wurde wahr, mehrere Bären, und das war aber nicht das Ende meiner Sichtungen, in dieser Nacht beobachte ich noch ein ganzes Wolfsrudel, wo die Wölfin sich bis 20 Meter meiner Hide näherte, einen jungen Adler und zu guter letzt den scheuen Vielfraß. Als wäre das nicht genug Glück gewesen, durfte ich den Moment, als der Bär und Wolf gemeinsam zu sehen waren festhalten. Diese Momente werde ich wohl mein ganzes Leben nicht vergessen. Schlafen war danach eher schwierig.

Mit diesen unvergesslichen Erfahrungen im Gepäck ging es nach Östersund, wo ich meinen Schwager Felix einsammelte. 3 Wochen Solo Traveling waren damit beendet. Mit ihm ging es auf Kanutour. Mein erstes Mal im Kanu und es waren sechs wunderschöne Tage. Diese Stille war wirklich magisch. Keine anderen Menschen, keine Autos, kein Trubel, nur das Gezwitscher der Vögel, das Rauschen des Windes und das Knistern des wärmenden Feuers. Als krönenden Abschluss gelang es mir dann noch Seeadler zu fotografieren.

Das Ende dieser wunderbaren Expedition bahnte sich also an. Nach der langen Rückfahrt überraschten wir unsere Liebsten mit unserer plötzlichen Anwesenheit, da wir geplant erst einen Tag später zu Hause angekommen wären. Ein tolles Gefühl einen besonderen Menschen, meine Freundin Chiara nach 25 Tagen Abwesenheit in die Arme zu schließen. Vielen Dank an Canon Deutschland und Frontrunner Outfitters, die mich auf dieser Reise mit Equipment unterstützt haben. Abschließend gilt es zu sagen, wie erholend solch eine doch körperlich kräftezehrende Reise für die Seele sein kann. All diese emotionalen, besonderen Begegnungen und Eindrücke kann dir niemand mehr nehmen. Für mich schöner als jedes materielle Geschenk.


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ALESSANDRO SGRO

Alessandro Sgro ist Wildlife- und Naturfotograf. Er ist 27 Jahre alt und lebt in Düsseldorf. Mit der Fotografie hat er 2018 begonnen und es sofort lieben gelernt. Aufgewachsen ist er auf dem Dorf und man wird den Dorfjungen wohl nie aus so ganz aus ihm rausbekommen. Seinen Job als Industriemechaniker hat er hinter sich gelassen und ein Studium im Bereich Nachhaltigkeit angefangen.

Am liebsten ist er draußen im Wald und suche nach Wildlife, genießt die Stille oder bereist die Welt auf der Suche nach wilden Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum.

Am liebsten geht er mit seinem Landy auf reisen, welche auch gleich ein Zuhause auf vier Rädern ist.

Privat bin ist er ein Familienmensch und liebe es Zeit mit seiner kleinen Familie und seiner Freundin zu verbringen. Es gibt für ihn kein schöneres Gefühl, als nach einem tollen Abenteuer nach Hause zu kommen.

www.alessandrosgro.com