ROADTRIP AN DER OSTKÜSTE AUSTRALIENS

von Paola Cermak

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Als Hochzeitsfotografin verschlägt es mich öfter an verschiedene Orte, aber dass eines Tages sogar Australien dazu gehören würde hätte ich mir im Traum nicht ausgemalt. 

Australien stand eigentlich gar nicht auf meiner unmittelbaren Reiseliste als eine Anfrage eines Pärchens aus der Schweiz in mein Postfach flatterte ob ich sie genau dahin begleiten möchte wenn sie durchbrennen und am Strand von Queensland heimlich und alleine heiraten. So kam es, dass ich (bzw. wir denn ich nahm meine besser Hälfte Alper natürlich mit) nur wenige Wochen später in einem Flugzeug nach Down Under saßen - ohne zu wissen was uns genau erwarten wird. 


Da es für uns beide die erste Reise nach Australien war, entschieden wir uns erstmal nach Sydney zu fliegen. Sydney muss man irgendwie gemacht haben dachten wir. Leider hatten wir für australischen Frühsommer untypisch viel Regen und sehr kalte Temperaturen und so blieb von Sydney nicht viel über als eine Großstadt im Regen. Sogar der berühmte Bondi Beach war wegen Unwetter komplett gesperrt. Wenig hilfreich war auch die Tatsache, dass wir gleich nach unserer Ankunft mitten in der Nacht im strömenden Regen von einem Verrückten mit Halluzinazionen überefallen wurden als  wir in unser Airbnb wollten. Nach ein paar wenig beeindruckenden Tagen in Sydney flogen wir weiter ins nördliche Queensland um in Cairns unseren Campervan abzuholen und von da ein 2.500 Kilometer langes Roadtrip Abenteuer bis nach Brisbane zu starten.

Die ersten Tage verbrachten wir an einem der wohl schönsten Campingplätze der Welt in der Nähe von Cairns wo man direkt am Strand parken und campen konnte. Beim Schlafen das Rauschen der Wellen (oder des Regens auf dem Dach haha) hören und morgens als erstes Strand und Wasser sehen kann schon einiges.

Nachdem ich dann erstmal die einsame Hochzeit am Strand fotografiert habe sind wir durch Queensland weiterzogen. Wir hatten keine feste Reiseroute und keine vorab geplanten Übernachtungsplätze ausgesucht, wir sind einfach losgefahren und dort wo es uns besser gefallen hat sind wir länger geblieben. Granit Gorge gleich am Anfang unseres Trips war so ein Ort, ein für mich magischer Ort an den ich heute noch täglich denke. Wir übernachteten auf einem wunderschönen Campingplatz mit nur wenigen weiteren Campern mitten in der Natur, morgens kamen die Gänse und Hühner, später konnte man den  in der Schlucht lebenden Wallabys zuschauen oder sie streicheln, manchmal galoppierten weisse Pferde durch den Hintergrund. Selbst abends kam beim Kochen in der Outdoor Küche mal das ein oder andere Wallaby vorbei.  Tagsüber hingen wir in der Hängematte unter Mangobäumen, machten Yoga im Schatten oder badeten in dem kleinen Fluss, nachts war es komplett still und der Sternenhimmel leuchtete über einem. Immer hatte man das Gefühl alleine mitten in der Natur zu sein. Für mich einer der allerschönsten Flecken Erde die ich je besucht habe. Wenn ich heute daran zurück denke, erfasst mich eine unfassbare Wehmut. Ein Gefühl aus Sehnsucht und Herzschmerz.

Mit der Seilbahn schwebten wir über den Regenwald zu einem kleinen Dorf names Kuranda und wieder zurück. Alternativ kann man auch für eine Strecke die alte Eisenbahn nehmen aber uns hat die Schwebebahn so gut gefallen, dass wir sowohl hin als auch zurück damit gefahren sind. Es fühlt sich an wie fliegen knapp über dem saftigen Grün des Waldes. Man hört nichts als Vogelgezwitscher, Wind und Wasser. Nur schwindelfrei sollte man sein.

Unser Weg führte uns weiter durch das untypisch verregnete Queensland, vorbei an Wasserfällen und uralten Fig Trees über Nationalparks in denen wir nach dem Wandern in natürlich entstandene Pools gehüpft sind.

Auf Magnetic Island sichteten wir frei lebende Koalas. Uns war es wichtig die Tiere nie zu stören oder auszubeuten, deshalb mieden wir alles wo Tiere eingesperrt oder vorgeführt werden. Magnetic Island erreicht man schnell und einfach mit einer Fähre und man die Insel zu Fuß bewandern. Man muss nur sehr langsam gehen und ganz genau schauen, denn die kleinen grauen Tiere sind in den Bäumen schwer zu entdecken. Ein wirklich einmaliges Erlebnis diese Tiere in freier Natur zu beobachten. 

Weiter ging es durch die kleine Stadt Townsville, die voll hochwertiger Graffitis internationalter Künstler ist und auch erstaunlich guten Kaffee und einen wunderbaren Sonnenaufgangspunkt über der Stadt zu bieten hat. 

In Cape Hillsborough kann man morgens zum Sonnenaufgang die Kängurus am Strand beobachten. Der Campingplatz liegt genau an diesem Strand sodass man morgens nur aus dem Zelt oder Van stolpern muss um dieses wirklich grandiose Naturschauspiel zu sehen. Mittlerweile hat es sich allerdings sehr unter den Touristen herumgesprochen sodass sogar viele Leute extra morgens dahin fahren obwohl sie gar nicht dort campen und so sind es mehr Menschen als Kängurus und die Campingplatzbetreiber versuchen gemeinsam mit den Naturschützern das ganze unter Kontrolle zu halten.

Im Eungella Nationalpark versuchten wir vergebens Schnabeltiere zu sichten und so wanderten wir stundenlange durch den Regen ohne eines zu sehen. Zu einer besseren Uhrzeit hätte man vermutlich mehr Glück gehabt. Wer seine Chancen welche zu sichten erhöhen will, informiert sich vorher wann es am wahrscheinlichsten ist die Tiere auch mal über Wasser oder gar an Land zu sehen.

Danach flohen wir aus dem Regenloch in dem wir schon seit Tagen gefangen waren bis Cape Palmerston wo wir überraschenderweise einen riesigen Campingplatz fast für uns alleine hatten. Nur drei weitere Camper waren auf dem sehr weitläufigen Gelände zu sehen. Der Weg zum Strand war kurz, nachts funkelten die Sterne über einen, in der Wiese hopsten fröhlich Kängurus und es war total still. Diese Stille genieße ich als Innenstadtbewohner einer Metropole immer besonders. Wir ließen einfach die Seele baumeln, nutzten die Zeit zum Wäsche waschen und kochten abends in der kleinen Campingküche für ein romantisches Dinner zu zweit.

Nach den Capricorn Caves, die nur mit Führung zu besichtigen sind ging es weiter über Rockhampton bis zur Alkoomi Adventure Farm. Dort campt man quasi im Garten einer riesigen Farm, das Pony kommt gerne zu Besuch, die zwei Hunde sind sehr verspielt und nachts ist es wieder absolut still während über einem der Sternenhimmel leuchtet. Man kann Produkte direkt von der Farm kaufen und allerlei Ausflüge machen - von Reiten bis Kanu Fahren ist alles möglich. Der Gewinn wird für den guten Zweck gespendet. Zimperlich darf man allerdings nicht sein, denn es gibt nur ein WC und eine Dusche für alle Camper und die ist nachts von einer Insekteninvasion heimgesucht.

Der nächste Stop war ein weiteres Highlight der Reise - nämlich das Horizons Kangaroo Sanctuary. Ich hatte vorher schon darüber gelesen und recherchiert, denn auch bei Sanctuaries bin ich immer vorsichtig und auf das Tierwohl bedacht. Die Besitzer hier jedoch ziehen verwaiste Känguru Babies liebevoll auf bis sie alleine lebensfähig sind. Es gibt mittlerweile einige Stellplätze und so kann man direkt auf dem Gelände mit grandiosem Ausblick und der tierischen Gesellschaft übernachten. Gegen einen kleinen Betrag, der ausschließlich den Tieren zugute kommt kann man die Kängurus füttern und sich anschauen wie die Babies aufgezogen werden. Es ist allerdings nur etwas für Hartgesottene denn der Betreiber ist ein ausgesprochener Misanthrop woraus er nicht mal einen Hehl macht. Man muss sich also schon in seinen Augen bewähren bevor man überhaupt auf seinen Campingplatz nächtigen darf. Welche Kriterien dabei angewendet werden entzieht sich einem völlig. Auch erzählt er ausschließlich negative Geschichten über das Land und wie die Regierung die Natur und den Lebensraum der Tiere zerstört. Alles durchaus wahre Fakten, aber für viele Urlauber schwer zu ertragen, die lieber nur die Leichtigkeit des Seins und süße Kängurus genießen wollen.

Weiter ging es über Bundaberg (inkl. Abstecher in die Bundaberg Brauerei) und Noosa Heads zur Sunshine Coast. Unser vorletzter Stopp war kurz vor dem Ziel in dem gleichnamigen Ort Sunshine Coast und zwar genauer gesagt in Cotton Tree. Wir hatten nichts erwartet und wurden positiv überrascht. Zwar ist der ansässige Campingplatz sehr voll - auch mit Dauercampern - so ist der angrenzende Strand traumhaft schön, weitläufig und lädt zum Spaziergehen, Baden oder Stand Up Paddlen ein. Auch konnten wir hier endlich mal im Meer baden, denn auf der gesamten Reise davor war es aufgrund der Stinger Season (also den tödlichen Quallen) unmöglich auch nur einen Zeh ins Wasser zu halten. Oder um es mit den Worten eines Australiers zu sagen, den wir gefragt haben ob es denn wirklich so schlimm wäre: "You only go in if you want to die". Deshalb gibt es hauptsächlich Bilder von einsamen Stränden und leeren Meeren, denn Baden ist zu dieser Jahreszeit nicht möglich.

Nach knapp vier Wochen on the road erreichten wir unser Endziel - die Großstadt Brisbane. Wir tauschten den Campervan gegen ein Airbnb und verbrachten die letzten Tage vor dem Rückflug in der Stadt. Und was soll ich sagen? Ich habe mich schockverliebt! Diese Stadt hat soviel zu bieten - vom gratis Eintritt in Museen (wir haben unter anderem die Yayoi Kusama Ausstellung besucht), gratis Fähren auf dem Fluss oder ein mitten in der Stadt aufgeschütteter Strand mit riesigem Pool in dem man kostenlos mit Blick auf die Skyline baden kann. Überall nette, gute gelaunte Menschen, hervorragendes veganes Essen und großartiger Kaffee. Brisbane hat mir persönlich sogar um einiges besser gefallen als Sydney. 

Nach knapp fünf Wochen endete für uns das Abenteuer Australien mit einem Kopf voll toller Erinnerungen einem Herzen voll Wehmut und ganz viel Liebe für dieses wundervolle Land.   We will be back!!!!

Side Infos:

  • Wir haben uns für einen mittelpreisigen Campervan entschieden und haben damit alles richtig gemacht. Man kann auch für ein Drittel Vans mieten, aber die sind dann doch oft liegen geblieben oder mussten ein paar Tage in die Werkstatt. 

  • Obwohl die Straßen nicht breit sind und meistens einspurig kommt man gut und zügig voran. An das Links fahren gewöhnt man sich auch recht schnell. 

  • Ernährt haben wir uns bis auf unsere Stopps in Großstädten von selbstgekochten, das Obst und Gemüse dafür kann man überall direkt von der Farm kaufen. Einfach den Schildern an der Schnellstraße folgen, kurz rausfahren und einkaufen. Oft stehen auch nur Hütten zur Selbstentnahme und das Geld wirft man ein. Nur für Wasser, Pflanzenmilch und Produkte wie Reis und Nudeln sind wir gelegentlich in einen Supermarkt gefahren. Das schöne in Australien - man kann auch ohne Schuhe, in Yogaklamotten oder im Badeanzug einkaufen gehen und es stört sich absolut  niemand daran.

  • Die Campingplätze in Australien sind die schönsten die ich je gesehen habe. Alle sind geräumig, haben saubere und moderne Sanitäranlagen und jeder Platz hat eine Kochmöglichkeit und auch eine überdachte Aufenthaltsmöglichkeit. Teilen muss man es sich - wie überall auf der Welt - mit allerlei Getier, hauptsächlich natürlich Insekten aller Art. 

  • Die Menschen sind so freundlich, dass es einen als Europäer am Anfang regelrecht schreckt wenn einem ein völlig Fremder am Autobahnstopp frische Mangos schenkt ;-) Die Australier sind vermutlich die nettesten und gechilltesten Menschen, die ich je getroffen habe. 

  • Zum Baden im Meer sollte man unbedingt die Quallensaison auschecken und auch Haifische gibt es an vielen Ecken. Am besten immer auf die Menschen hören, die vor Ort leben. Die kennen sich aus. 

  • Kängurus dürfen auf keinen Fall gefüttert werden, sie sterben an den menschlichen Lebensmitteln. In freier Natur fressen Kängurus ausschließlich Gras, sie vertragen noch rohe und geschälte Süßkartoffel aber man muss sie eigentlich gar nicht füttern. Streicheln kann man sie jedoch, teilweise sind sie sehr zutraulich, sie sind sauber und übertragen keine Krankheiten.


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PAOLA CERMAK

Paola wurde vor über 30 Jahren in Wien geboren und lebt inzwischen auch wieder dort. Als Hochzeits- und Familienfotografin reist sie quer durch ganz Europa und begleitet Menschen auf einem kleinen Stück ihres Lebens. Privat teilt sie ihr Heim mit Freund Alper und zwei haarlosen Sphynxkatzen.

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