FAMILIENURLAUB IN NORWEGEN

von Flo Huber

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Schenkt man dem "World Happiness Report", einer seit 2012 jährlich durchgeführten UN-Studie, Glauben, so leben die glücklichsten Menschen der Welt in Norwegen. Ob auch wir das Glück im Land der Fjorde, Trolle und der Mitternachtssonne finden konnten?

Unsere Suche begann Anfang Juni, als wir mit vielen Erwartungen und vielen Windeln im Gepäck – es war unser erster Urlaub zu Dritt – unser Wohnmobil starteten. Mit der gigantischen Fähre Color Line, die unser über 7 Meter langes Wohnmobil einer Ameise gleichen lies, setzten wir von Kiel aus über nach Oslo.

Wir erlebten Oslo als ein Mekka für Architekturfans und Kulturbegeisterte. Besonders imposant: Der Vigeland Skulpturenpark mit seinen gigantischen Steinfiguren. Vom Look her ist Oslo sehr weitflächig, modern und clean. Ganz im Gegensatz dazu stand unser Favorit unter den Sehenswürdigkeiten, etwas abgelegen vom Zentrum: Die Stabkirche Gol. Dunkel, fast ein bisschen bedrohlich, wie ein altes Hexenhaus steht sie da, umringt von Grabsteinen, umspielt von dunklen Wolken.

Bevor wir in den wilden Norden aufbrachen, wollten wir am südlichsten Punkt Norwegens noch etwas Sonne tanken. Die kleine Stadt Mandal lädt dazu ein, einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Sei es am Strand, der locker mit den mallorkinischen Sandstränden mithalten kann, beim Bummeln durch die kleinen Läden oder in einem der hübschen Cafés.

Trotzdem hielt es uns nicht lange dort, denn nun waren wir bereit für die wilde Natur, die alle Norwegen-Urlauber zum Schwärmen bringt. Also begannen wir uns die von zahlreichen Fjorden durchzogene Westküste gen Norden hinaufzuschlängeln. Wir wollten den Preikestolen erklimmen. Das Felsplateau in der Provinz Rogaland bietet einen dramatischen Blick auf den Lysefjord. Vielleicht sollten wir ja dort oben unser Glück finden. Zweieinhalb Stunden lang kämpften wir uns den steilen Anstieg hinauf und wurden von zahlreichen Leidensgenossen aufgrund der Kraxe, in der wir unsere Tochter mit uns hinauftrugen, in verschiedensten Landessprachen als Helden gefeiert. Der Lohn für diesen Kraftakt fiel jedoch spärlich aus. In der Zeit unseres Aufstiegs war der Nebel so dicht geworden, dass wir oben angekommen nicht mal die eigene Hand vor den Augen erkennen konnten, geschweige denn den spektakulären Blick auf den Fjord zu unseren Füßen. Fazit: Unsere Suche nach dem Glück sollte weitergehen und führte uns in die pittoreske und geschichtsträchtige Stadt Bergen sowie in die Nationalparks Hardangervidda und Jostedalsbreen.

Dort unternahmen wir eine schöne Wanderung zum Briksdal Gletscher. Der Weg hin zur Gletscherzunge besticht durch rauschende Wasserfälle und eine hübsche Flora. Etwas grotesk dagegen wirken die „Troll-Autos“, die vor allem die asiatischen Besucher, deren Reisezeit sehr knapp bemessen ist, in Massen zur eigentlichen Sehenswürdigkeit karren. Nach unserem Fußmarsch ließen wir uns in respektvollem Abstand zu den Eismassen nieder. Just in diesem Moment brachen Teile der Gletscherzunge herunter. Das grollende Donnern, das dabei entstand, klang in unseren Ohren wie eine Mahnung an uns Menschen und ließ uns demütig fühlen.

Unsere Route führte uns nun weiter hinauf in den Norden auf die Insel Runde, welche auch als Vogelinsel bekannt ist. Ein wahrhaftiges Kleinod. Die Wanderung zu den 250 Meter hohen Felswänden im Westen der Insel, wo die Brutkolonien der Seevögel liegen, entführte uns in eine andere Welt. In eine Welt in der nicht die Natur dem Menschen gehört, sondern der Mensch der Natur. Der Wind fegt mit einer solchen Kraft über die Insel, dass man ihm sein gesamtes Körpergewicht entgegenlehnen kann. Eben dieser Wind trägt die zahlreichen, wunderschönen Vögel, welche sich nach der Jagd vom offenen Meer in die steilen Felsklippen zurückziehen. Eine besondere Augenweide auch für Nicht-Ornithologen ist der Papageientaucher, der aufgrund seines großen, bunten Schnabels die meisten Blicke auf sich zieht.

Auf dem Weg zum nördlichsten Punkt unserer Reise, der wirklich sehenswerten Stadt Trondheim, bewunderten wir das größte Sonnwendfeuer der Welt in Alesund und genossen wunderbare Aussichten auf der Atlantikstraße, der schönsten Straße der Welt.

Nun ging es auf der der Ostseite des Landes Richtung Süden. Auf der Suche nach einem Stellplatz strandeten wir im Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark. Dort gingen wir auf einem Gräberfeld der Wikingerzeit spazieren. Es war einer der mystischsten, aber auch wundervollsten Orte, die wir bisher besucht hatten. Das warme Sonnenlicht fiel durch die Bäume hinab auf die hügelige Landschaft wie auf einem Gemälde. Gott sei Dank sind die Nächte um Sankt Hans (Mitsommer) taghell - ansonsten hätte die Tatsache, dass unsere kleine Tochter auf dem Gräberfeld freudig unsichtbaren Menschen zuwinkte uns sicherlich dazu bewogen einen anderen Schlafplatz zu suchen. Tags darauf unternahmen wir eine Wanderung zum Viewpoint Snøhetta, einem Aussichtspunkt bei dem der Punkt auf dem man steht fast noch schöner ist als die Aussicht, die man von dort aus hat. Von außen ein Rechteck aus Holz, von innen ein wunderschön geschwungener Raum mit einer riesigen Glasfront.

Natürlich konnten wir uns den wohl bekanntesten Aussichtspunkt Norwegens nicht entgehen lassen, also reisten wir weiter zur Bergstraße Trollstigen, die einen atemberaubenden Blick auf den Wasserfall Stigfossen und dann auf den gigantischen Geiranger Fjord bietet. Was uns persönlich noch mehr begeisterte war jedoch der Geiranger Skywalk auf dem Berg Dalsnibba. Eine kleine Mautstraße führt hoch auf 1500 Meter. Auf dem Weg dort hinauf wurde es plötzlich richtig kalt - meterhohe Schneewände umgaben uns. Eingestiegen in unseren Camper waren wir noch im T-Shirt. Beim Aussteigen brauchten wir dicke Jacken. Der Ausblick? Ohne Worte! Noch benebelt vom Zauber dieses Ortes, waren wir auch schon in Kristiansand angekommen, wo unsere Fähre gen Heimat ablegte. Und als der Hafen immer weiter in der Ferne verschwand, waren wir uns einig: Wir hatten das Glück in Norwegen gefunden. Jedoch nicht in Form des sagenumwobenen Goldschatzes, der am Ende des Regenbogens vergraben ist, sondern wir fanden es in vielen kleinen Momenten über einen ganzen Monat verteilt, in denen wir mit allen Sinnen Norwegen erfahren durften.


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FLO HUBER

Flo begleitet Hochzeiten und Businessevents, wenn er keinen Urlaub hat. Wenn er frei hat, reist er gerne – vor allem in den Norden – und nimmt neben Frau und neuerdings Tochter natürlich immer seine Kamera mit. Er spielt gerne auf seiner Gitarre, ist absoluter Kaffeeliebhaber und liebt bayrisches Kabarett.

www.flo-fotografie.de