von Nancy Ebert

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Keine Shootings. Keine großen Abenteuer. Einfach Urlaub zu dritt - so beschreiben die Fotografin Nancy Ebert und ihr Mann, Foto-Unternehmer Julian Weiße, ihre Auszeit auf der Halbinsel Yucatan. Im Interview erzählen sie von ihren mexikanischen Ferien, der jährlichen Winterflucht.

Ende letzten Jahres hat es euch nach Yucatan verschlagen - wie kamt ihr auf dieses Reiseziel?

Wir lieben Abenteuer und das Reisen abseits der ausgetretenen Pfade. Letzten November aber war es irgendwie anders. Wir hatten gerade eine sehr turbulente Arbeitssaison hinter uns, und die Batterien waren leer. Sogar die Reiseplanung war uns zu viel. Wir hatten uns also schon darauf eingerichtet, bis Weihnachten zu Hause in Köln zu verbringen. Einfach mal was Ruhiges machen. Doch als es draußen immer grauer und nasser wurde, haben wir diese Schnapsidee wieder über den Haufen geworfen und kurz entschlossen Tickets nach Cancun, Mexico, gebucht.

Wie einfach fiel euch die Auswahl der Reiseziele? Warum Tulum & Holbox?

Jeder, mit dem wir uns über Reiseziele im Winter unterhalten haben, hat überschwänglich von Mexiko und insbesondere von Yucatan geschwärmt. Wir waren vorher noch nie dort, und die perfekt-schönen Bilder im Instagram Stream haben ihr Übriges getan. Wenn es so etwas wie Trend - Reiseziele gibt, gehören Tulum und Holbox gerade auf jeden Fall dazu. Wir sind diesem Phänomen wahrscheinlich etwas zum Opfer gefallen.

Was zieht euch immer wieder ans Meer?

Das Meer ist endlose Weite. Geborgenheit. Das Meer ist Schweben. Es gibt kaum etwas Beruhigenderes und Schöneres als das Auf und Ab der Wellen. Und das türkisblaue Meer in Tulum ist wirklich atemberaubend. Nach zwei Wochen am Strand haben wir auch mal einen Rundtrip durch das Inland zu den wirklich beeindruckenden Pyramiden der Maya und einigen Städten unternommen. Aber nach kurzer Zeit zog es uns doch wieder zurück ans Meer. Nicht zuletzt, weil auch unsere Tochter lieber Zeit in den Wellen verbringt als im heißen Auto.

Erzählt uns von eurem mexikanischen Abenteuer - über die kleinen und großen Momente.

Gelandet in Mexico habe ich, Julian, erst mal die Kreditkarten-PIN falsch eingegeben. Natürlich dreimal. Es muss am Jetlag gelegen haben. Zum Glück hatten wir noch eine andere Kreditkarte für die ersten Pesos dabei, und so konnten wir beruhigt mit dem Taxi die paar Stündchen nach Tulum brettern. Pech war nur, dass ich die zweite Kreditkarte im Automaten am Airport habe stecken lassen. Muss ebenfalls am Jetlag gelegen haben. Dass wir keine funktionierende Karte und kein Bargeld mehr besitzen, fiel uns aber erst nach fünf Tagen auf beim Versuch, im ersten Hotel auszuchecken. Wir vertrösteten den langsam unruhig werdenden Mann hinter der Rezeption auf den Abend und hofften am Strand auf ein Wunder. Und genau dieses Wunder ist just in diesem Moment in Form von Nancys ehemaligen Kunden entlangspaziert, die zufällig genau an diesem Tag genau an diesem Strand waren. Total verrückt. Wir hatten die beiden vor einem Jahr auf Bali bei einem Shooting kennengelernt, und jetzt trafen wir uns hier in Mexiko. Sie halfen uns nach einem sehr schönen Abendessen über die Runden, und wir mussten doch nicht die Zeche prellen und am nächsten Morgen zurückfliegen.

Isla Hofbox ist eine der am wenigsten touristisch entwickelten Inseln in der Karibik, wie "Hippie" ist dieses Eiland in euren Augen noch?

Isla Holbox war wahrscheinlich das Highlight unserer Yucatan-Tour. Auf der winzigen Insel gibt es keine befestigten Straßen, man schlendert entspannt zu Fuß oder schnappt sich ein Golfkart, um sie zu erkunden. Der kleine Ort ist hübsch bunt bemalt, sehr relaxt, und von großen Hotels, Pauschaltouristen oder Fastfood-Ketten fehlt bislang jede Spur. Doch der Wandel lässt sich auch hier erahnen. Als wir dort waren, wurden gerade die ersten Straßen betoniert. Doch es ist zu befürchten, dass die Insel bald ein ähnliches Schicksal ereilt wie die ehemalige Hippie-Insel Mujeres, von der uns zuvor so viele begeistert erzählten, die jedoch immer mehr dem amerikanisierten Moloch Cancun ähnelt und alles andere als eine Empfehlung ist.

Welche Schatten gibt es im Paradies?

Schöne Orte ziehen viele Menschen an. Und mit den Menschen verschwindet der Zauber. Das ist wohl der Fluch der Schönheit. Beschleunigt durch Social Media werden magische Orte immer mehr zu Pilgerstätten und einem Laufsteg der Eitelkeiten für die Kamera. An Orten wie Tulum fehlt dadurch manchmal die Echtheit.

Habt ihr Tipps, wie man dem Touristen-Trubel in Tulum entkommen kann?

Wenn man die Kreditkarte verliert, ist man ganz schnell raus aus dem Trubel. Das ist der Geheimtipp. Ansonsten einfach den Bus nach Isla Holbox nehmen und sich freuen, dass man vor dem Jetset dort war. Oder weiter ins Landesinnere und hinein in den Dschungel. Mexiko ist riesig, und wie haben nur einen kleinen Teil von diesem vielseitigen Land gesehen.

Was ist für euch der Antrieb zum Reisen?

Reisen ist die intensivste und schönste Zeit als Familie. Reisen ist Inspiration. Reisen ist Antrieb, anders zu denken, anders zu leben. Reisen ist pure Freiheit. Reisen heilt Wunden und ist Erinnerung daran, dass nichts auf der Welt selbstverständlich ist.

Yucatan-Tipps

Mexikos karibische Halbinsel bietet mehr als Cancun. Lasst den Hotelbunker-Dschungel so schnell wie möglich hinter euch und macht euch auf nach Isla Hofbox, um mit Walhaien zu tauchen, Flamingos zu bestaunen oder nachts im leuchtenden Plankton zu schwimmen. Die Cenoten im Inland um Valladolid und Merida versorgen euch mit einer kühlen Erfrischungen, und weitersüdlich, Richtung Belize, treffet ihr auf traumhafte Strände, Schnorchel- und Tauchmöglichkeiten, Mezcal, Tequila und Tacos!


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NANCY EBERT

Nancy Ebert lebt mit Ihrer Familie in Köln und bereist seit 2009 ganz Deutschland und die Welt, um besondere Hochzeiten kreativer Paare mit viel Liebe zum Detail zu dokumentieren. Die ausgebildete Fotografin war zuvor in den Bereichen Mode & Werbung in Kapstadt, Los Angeles und Mallorca tätig. Geprägt von der Modefotografie erzählt sie kunstvolle Hochzeits-geschichten verliebter Menschen. Dabei ist sie inspiriert durch schönes Design, das Reisen und ihre kleine Tochter. Ihre Bilder wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Hochzeitsblogs, Zeitschriften und Büchern zur Hochzeitsfotografie veröffentlicht.

www.nancy-ebert.de

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